Innovative Technik für die Umwelt
Pilotprojekte des Bundesumweltministeriums
Mit einer anspruchsvollen Umweltpolitik hat die Bundesregierung die Rahmenbedingungen für den Durchbruch modernster Umwelttechnik geschaffen, etwa im Bereich der erneuerbaren Energien. Dies schafft auch Arbeitsplätze und eröffnet Wettbewerbschancen. Umwelttechnik aus Deutschland ist bereits in vielen Bereichen führend. Das Bundesumweltministerium fördert gezielt Investitionen mit Demonstrationscharakter, um aufzuzeigen, wie fortschrittliche Verfahren zur Vermeidung oder Verminderung von Umweltbelastungen verwirklicht werden können.
Mit dieser Broschüre wollen wir deutlich machen, dass technischer Fortschritt und Umweltschutz sehr wohl miteinander zu vereinbaren sind und durch diese Kombination auch wirtschaftlich attraktive Lösungen erzielt werden. Beispielhaft werden elf Vorhaben vorgestellt, die sich auf die ganze Bandbreite des Umweltschutzes erstrecken: Klimaschutz, nachhaltige Mobilität, Schließung von Stoffkreisläufen bis hin zu integrierten Technologien. Wir erhoffen uns von diesen Demonstrationsvorhaben eine große Multiplikatorwirkung, nutzen die Ergebnisse aber auch für die Fortentwicklung des umweltrechtlichen Regelwerkes und des Standes der Technik.
Geothermie
Energie, die aus der Tiefe kommt
Im bayerischen Unterhaching wird ein modernes Erdwärmekraftwerk gebaut, das als erste deutsche Anlage mit einer neuartigen, effizienteren Technologie – der Kalina-Technik – arbeitet. Neu neben der Technologie ist auch die beispielhafte Einbindung des Geothermieprojekts in das kommunale Energiekonzept der Gemeinde Unterhaching. Es sieht u.a. den Aufbau eines Fernwärmenetzes vor, mit dem öffentliche Einrichtungen, Unternehmen und Wohngebäude mit Wärmeenergie versorgt werden sollen. Damit können in erheblichem Maße fossile Energieträger eingespart werden.
Die Geothermie-Anlage in Unterhaching berücksichtigt neben der Stromerzeugung unter den Rahmenbedingungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) auch eine Wärmenutzung und leistet somit einen entscheidenden Beitrag zur umweltgerechten Energiegewinnung, Schonung der natürlichen Ressourcen und zum Klimaschutz. Zugleich dient das Projekt auch dem technologischen Fortschritt. Das kommt nicht nur dem Klima zugute, sondern verbessert auch die Chancen für den Technologietransfer in Länder mit vergleichbaren geologischen Bedingungen. Neben der technischen Innovation wurde noch ein weiterer Durchbruch für die Geothermie erreicht: die europaweit erste privatwirtschaftliche Fündigkeitsversicherung. Bisher war das Risiko, bei den kostenaufwändigen Tiefbohrungen für die geothermische Energieerzeugung nicht den gewünschten Erfolg zu erzielen, zumeist das größte Hindernis bei der Realisierung solcher Vorhaben. Mit der Fündigkeitsversicherung konnte eine faire Risikoverteilung zwischen allen Beteiligten erreicht werden.
Solarenergie
Mehr Solarstrom vom Scheunendach
Auf den Dächern des landwirtschaftlichen Betriebs von Albrecht Beck im unterfränkischen Volkach-Dimbach entstand eine Fotovoltaikanlage, die einige Prozent mehr Strom ins Netz einspeisen kann als vergleichbare Systeme. Der Grund dafür ist eine innovative Schaltungstechnik in den Wechselrichtern.
Die Solarzellen-Anlage auf dem Hof Beck erstreckt sich über rund 1 000 Quadratmeter Dachfläche und erreicht bei optimaler Sonneneinstrahlung eine fotovoltaische Leistung von 123 Kilowatt. Eine neuartige Wechselrichterschaltung sorgt dafür, dass der Gesamtwirkungsgrad der Anlage deutlich verbessert wird.
Der von den Solarzellen produzierte Gleichstrom muss, bevor er ins Netz eingeleitet werden kann, in Wechselstrom gewandelt werden. Dies geschieht bislang entweder mit einem zentral installierten Großwechselrichter oder einer Vielzahl von Strangwechselrichtern, die direkt an den einzelnen Solarmodulen angebracht sind. Je nach Wetterlage variiert die Stromausbeute dieser zwei Konzepte; die innovative Schaltungstechnik der Anlage auf den Dächern des Beck’schen Hofs kombiniert nun die jeweiligen Vorteile. Ein gewünschter Nebeneffekt der innovativen Schaltungstechnologie ist eine Verbesserung der ans Netz abgegebenen Stromqualität.
In Volkach-Dimbach zeigt sich, dass moderne Technik und ein schönes Landschaftsbild kein Widerspruch sein müssen. Die Solarzellen auf den Dächern des Hofs Beck, inmitten eines kleinen, alten Dorfs, stören nicht und geben ein gutes Beispiel dafür, wie vorhandene Dachflächen von landwirtschaftlichen Gebäuden wirtschaftlich genutzt werden können. Insofern hat das Projekt auch Modellcharakter für die Erschließung neuer Einkommensquellen für landwirtschaftliche Betriebe.



